Gekommen, um zu bleiben
Dezember 1st, 2009 | Veröffentlicht in Features

Hochschule Bremen besetzt
Es ist noch dunkel draußen. Kaum Verkehr, um kurz vor sieben an der Langemarckstraße. Lediglich einige Früh-Jogger durchqueren den anliegenden Park an der Hochschule Bremen. Und ein paar Studentenversammeln sich vor dem Eingang ihrer Hochschule. Warum so früh schon da? Vorlesungen fangen doch erst um 8 Uhr an! Vielleicht noch das Referat korrigieren, Hausarbeit ausdrucken? Nichts dergleichen – heute wird besetzt!
Seit heute um kurz nach 7 Uhr ist der Raum M026b besetzt. Rund 20 Studenten fanden sich anfangs in dem Raum ein, den sie für die nächsten Wochen als ihren eigenen auserkoren haben. Unter dem Motto „Besetzte Lerninsel“ soll hier ein Freiraum geschaffen werden, um die Forderungen rund um den Bologna-Prozess zu konkretisieren, zu diskutieren und Lösungen auszuarbeiten. Ein Raum für Ideen, Information und Kontroverse.
So eine Besetzung braucht da natürlich mehr als nur geistige Nahrung und so gibt es jeden Tag ein gemeinsames Frühstück. Von Mettwurst- und Rosinenbrötchen bis hin zu veganen Aufstrichen und Soja-Milch – für jeden Geschmack ist etwas dabei. Die Brötchen werden von einer Bremer Bäckerei zur Verfügung gestellt.
Vom gerade besetzten Raum ging es gleich rüber in die Mensa, wo um 10 Uhr die Vollversammlung stattfinden sollte. Ein paar bleiben zurück, um die Stellung zu halten. Und zur Vollversammlung kamen dann doch erstaunlich viele für Hochschul-Verhältnisse: fast 300.
Es wurden die Forderungen wie „Ende des verschulten Systems“ oder „Stopp der Einflussnahme der Wirtschaft“ und „Masterplätze für alle“ in Einzelvorträgen konkretisiert: mal enthusiastisch und leidenschaftlich, mal sachlich und ernst. Aber immer mit Blick auf die Misere.
Raum zur Diskussion dieser Forderungen gab es im Anschluss an die Vollversammlung, wo sich über 60 Studenten einfanden, um in kleinen Gruppen die eigenen Forderungen zu reflektieren, zu ergänzen oder auch zu kritisieren. Nach mehreren Stunden scheint die Luft erst einmal raus. Das schlaucht ganz schön, aber so soll das ja auch sein. Hier ist keiner zum Spaß, aber der Spaß darf nicht fehlen. Gesellschaftsspiele, Sofas, Anlage, Gitarre und Trommeln sollen die Tage und Nächte im kahlen Riesen-Klassenzimmer ohne Fenster versüßen.
Es ist 20.30 Uhr. Der Raum leert sich langsam, Brotkrümel und Fußabdrücke verzieren den Hochschulfußboden. Es ist also soweit, endlich ist der deutschlandweite Studentenprotest auch in der Hochschule abgekommen. Ab heute wird in Raum M026b geschlafen. Gemütlich ist was anderes, aber darum geht es hier ja nicht.
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