Vom Bremer Publikum gab es direkt einen herzlichen Begrüßungsapplaus. „Es ist schön wieder im Norden zu sein und hier in Bremen zu spielen“, heizte Sänger Simon den Hartog das Publikum an. Und die Fans ließen sich nicht lange bitten und pushten die Stimmung direkt auf den Höhepunkt. Eine Warm-werde-Phase, wie man sie von anderen Konzerten kennt, war hier absolut nicht nötig. Das lag auch der guten Vorarbeit des Bremer Supporting Acts „Mapletree“.
Die gute Laune der Jungs aus Dinslaken konnte man förmlich spüren. Die Setlist erinnerte bezüglich der Länge an ein Ärzte-Konzert, was den Fans sicherlich sehr entgegengekommen ist. „Wir haben heute richtig Bock zu spielen“, versicherte uns Simon den Hartog noch vor dem Konzert und das konnte man auch in jeder Sekunde merken. Wer dachte, es würden nur Songs aus dem aktuellen Album „They are calling your name“ zu hören geben, der wusste sich schnell auf dem Holzweg. Über das nahezu komplette Repertoire durften sich die Fans freuen, plus noch einige Songs wie „Money“ und eine Zugabe, wie sie eher unüblich ist. Anstelle des ewig lange „Zugabe, Zugabe“-Gerufe des Publikums stand eine sofortige Rückkehr auf die Bühne an.
Allerdings waren nicht alle Kilians zurückgekommen, sondern nur Sänger Simon den Hartog, der dann 3 Songs alleine vortrug. Dabei band er das Publikum gut in seine Performance ein. Die langgezogenen „Oooooooooooh´s“ und „Aaaaaaaaaaaaaah´s“ der Fans sorgten für eine besinnliche Gänsehautstimmung. Durch den lauten Publikumsgesang sahen sich auch die anderen Kilians animiert, wieder mit einzusteigen und noch einige Songs zu spielen. Vor dem furiosen Finale bedankte sich die Band noch einmal artig bei den Fans: „Danke, danke, danke, danke, danke, danke. Danke für dieses tolle Jahr 2009. Wir hoffen, Euch alle bald wiederzusehen. Danke“.
Wer die Kilians allerdings zu sehr vermissen sollte und sie unbedingt dieses Jahr noch mal sehen will, dem sei der 23. Dezember ans Herz gelegt, denn dann legen zwei der Jungs im „Tower“ bei Christmas Bang der „Trashmonkeys“ auf.
Vor drei Jahren unterschrieben die Kilians ihren ersten Plattenvertrag in Bremen. Um genau zu sagen: Im Café Knigge. Nun sind sie zurück in der Stadt, wo alles begann. Sludern hat sich vor dem Konzert im „Modernes“ mit ihnen getroffen. Im Folgenden nun ihre nicht immer ernstgemeinten Antworten.
Interview öffnen: show
Sludern:
Keine Sorge, wir fragen nichts zu Dinslaken.
Kilians:
Danke, das ist nett. Langsam nervt das ja auch.
Sludern:
Wie ist es denn so als Rockstars?
Kilians:
Es ist fantastisch. Es ist das beste Gefühl zu wissen, dass man eine Band hat und so verdammt geil ist.
Sludern:
Selbstlob stinkt.
Kilians:
Es ist eine schwierige Frage, weil wir uns eben nicht als Rockstars sehen. Dafür fehlt ein bisschen das Geld, die Drogen, die Frauen, die Eskapaden, Skandale, Autos, Cash, Jewls, Fame – das alles bräuchten wir, um Rockstars zu sein.
Sludern:
Was seid ihr dann?
Kilians:
Wir nehmen uns als Musiker wahr. Wenn Leute fragen, was wir zum Leben machen, dann sagen wir ‚Wir spielen Songs, die wir selber geschrieben haben. ‘
Sludern:
Könnt ihr Euch später mal vorstellen, von dem Geld als Musiker leben?
Kilians:
Ja, klar. Zurzeit leben wir ja mehr oder weniger von dem Geld. Es kommt nichts anderes rein. Wir verdienen so viel, wie ein Azubi im dritten Lehrjahr. Man kann da keine großen Sprünge machen, aber man kann seine Miete zahlen, essen und ab und zu Freunde auf einen Kaffee einladen.
Sludern:
Würde Euch Geld glücklich machen?
Kilians:
Nein, Geld macht nicht glücklich, Liebe macht aber auch nicht glücklich. Musik allein auch nicht.
Sludern:
Was dann?
Kilians:
Fußball. Und so Zeitschriften wie die ‚Intouch‘. Alles, was wenige Gehirnzellen erfordert, macht glücklich.
Sludern:
Ihr seid im Studio, probt, geht auf Tour – widmet Euch also ganz Eurer Musik. Was bleibt da auf der Strecke?
Kilians:
Die Familie und Freunde. Man verpasst viele Geburtstage und Ereignisse, weil man seinen ganz eigenen Terminplan als Band hat. Aber das sind alles Dinge, die wir in Kauf genommen haben. Aber so langsam werden wir uns diesen Sachen wieder widmen. Es ist zwar schön und gut, dass Oma und Opa stolz auf uns sind und sagen ‚Macht Euch keine Sorgen um uns. ‘, aber wir würden uns gern mal wieder nach der Familie richten und nicht andersherum.
Sludern:
Das klingt sehr bodenständig.
Kilians:
Wir haben keinen Grund abzuheben und wenn, dann werden wir relativ schnell wieder auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Sludern:
Wie schnell sehnt Ihr Euch nach einer Pause?
Kilians:
Zum Ende der Tour ist man froh, dass es vorbei ist. Es gibt Tage, da ist man physisch nicht mehr in der Lage alles zu geben und deshalb freuen wir uns auf eine Pause.
Sludern:
Fühlt Ihr Euch müde?
Kilians:
Nein, aber wir sind keine Maschinen, die live funktionieren müssen. Andere Bands können vielleicht eine super Show hinlegen, aber man sieht denen an, dass sie keinen Spaß haben. Das wollen wir vermeiden. Wir wollen uns jeden Abend auf ein Konzert freuen können und uns noch pushen können, Wir wollen immer Bock haben.
Sludern:
Euer neues Album ‚They are calling your name‘ klingt anders als das erste. Ist es noch Indie?
Kilians:
Indie ist ein Begriff, der für uns keine Relevanz hat. Das neue Album ist ein guter Nachfolger. Es ist immer noch rockig, aber wir waren ja auch schon immer melodie- und pop affin. Wir sind Freunde vom guten Klang, einer guten Melodie und einem Chorus, der aufgeht.
Sludern:
Ok, anders gesagt: es klingt reifer.
Kilians:
Ja, weil wir mehr Zeit hatten. Wir konnten strukturierter rangehen. Die erste Platte war teilweise noch behelfsmäßig gemacht – bei dem jetzigen Album hat man sich vernünftig an die Songs drangesetzt.
Sludern:
Independent?
Kilians:
Es ist unabhängig, weil es eigene Songs hat. Aber von dem Grundgedanken des Indie, dass man unabhängig von großen Plattenfirmen ist, hat es wenig zu tun. Von der Musik passt es noch zu Indie-Rock, aber wir machen keinen Hehl daraus: Es kann gerne auch Oma mögen, aber wir haben immer noch Spaß daran, Songs nach unserem eignen Gusto zu machen.
Sludern:
Was braucht man eigentlich, um einen guten Song zu schreiben?
Kilians: Einen guten Schlagzeuger. Und einen guten Produzenten, der zwischen den Bandmitgliedern vermittelt, weil man sich nicht immer eins ist. Und eine Idee braucht man natürlich.
Sludern:
Ihr braucht nicht viel.
Kilians:
Eine Gitarre vielleicht noch. Und einen Sänger.
Sludern:
Und einen Verstärker und ein paar Becken.
Kilians:
Das auch. Es ist wichtig, beim Song-schreiben, dass man sich nicht in zu viele Details verstrickt. Es muss vom Gefühl her passen. Wenn man versucht, zu viel rauszuholen, dann verwirrt der Song mehr, als dass er flüssig klingt. Es muss eben fließen.
Sludern:
Ihr habt schon bei Rock am Ring gespielt und jetzt im Modernes, einem eher kleineren Klub. Was ist Euch lieber? Große Massen oder familiäre Konzerte?
Kilians:
Wir freuen uns natürlich auf den Festivalsommer und es ist fantastisch, wenn man bei Rock am Ring spielt. Aber es geht immer darum, wie die Leute drauf sind. Ein Festival ist natürlich immer leichter, weil man in einem Line-Up eingebettet ist und es leichter ist, die Leute zu animieren. Der Pegel beim Publikum ist um 13.30 natürlich schon entsprechend. Natürlich nur beim Publikum.
Sludern:
Und Klubs?
Kilians:
Bei Klub-Konzerten kommt es immer darauf an, wo es stattfindet. Es gibt abgerockte Läden, wo wir uns wohl fühlen, aber manchmal spielen wir auch in zu edlen Läden, wo wir einfach nicht reinpassen. Aber egal, wie viele Leute da sind. Es ist immer schön, wenn man ein gutes Konzert gemacht hat, wenn die Leute applaudieren und ein Lächeln im Gesicht haben – das macht es aus. Aber nur für eine Person würden wir niemals spielen.
Sludern:
Echt nicht? Und wenn derjenige extra aus Kairo einfliegt, um Euch zu sehen?
Kilians:
Es kommt drauf an, aber eigentlich müssen es mindestens zwei sein.
Sludern:
Was macht euch junge, intelligente Musiker stolz?
Kilians:
Uns macht stolz, dass wir in Bremen dreimal im Tower gespielt haben und jetzt im Modernes. Das macht uns glücklich, dass mehr Leute unsere Musik hören und uns sehen wollen.
Sludern:
Was ist in zehn Jahren? Habt ihr dann sechs Alben und seid scherzhaft gesagt ‚die beste Band der Welt‘?
Kilians:
Letzteres auf jeden Fall. Nein, im ernst. Wir wollen uns da auf nichts festlegen. Wir würden es gerne wie Tokio Hotel sagen können, wir blieben bis ans Lebensende zusammen, aber das wäre zu scheinheilig. Es kommt darauf an, wie sich die Band weiterentwickelt. Kann man mit 30 noch dazu stehen? Wir sind da guter Dinge, weil wir uns musikalisch und persönlich stetig weiterentwickeln. Solange es Spaß macht und wir die Möglichkeit haben, unterwegs zu sein – solange uns die Leute noch hören wollen und an uns glauben, werden wir Musik machen.
Sludern:
Vielen Dank für das Gespräch und alles Gute.
Das Interview führten Pana und Bernd.