Wir sind die Gang!

November 1st, 2009  |  Veröffentlicht in rockt wie Roland

Montreal

Ungepflegte Gestalten drücken sich im dichten Gedränge aneinander beim Pogo. Der Alkoholpegel hat die 2-Promille-Grenze längst überschritten und die Irokesenfrisuren werden wild zu harten und schnellen Gitarrenriffs durch den Raum geschleudert, während permanent politische Linksparolen verbreitet werden. So oder so ähnlich stellt man sich klischeehaft einen Abend bei einem Punkkonzert vor. Doch irgendwie war das am Samstag gar nicht so.

Den gehobenen Alkoholpegel konnte man sicherlich bei manchem Konzertbesucher schon aus der Ferne erkennen und auch die harten Gitarrenriffs sind bei einem Punkkonzert der Band „Montreal“ nicht vermeidbar, doch ansonsten war man als außenstehender Beobachter komplett überrascht, wie falsch man mit seiner Einschätzung gelegen hätte. Handgezählt war genau eine Irokesenfrisur unter den knapp 150 Besuchern ausfindig zu machen und nur die Vorband „Scumpies“ ließ sich zu einer politischen Parole hinreißen.

Der restliche Abend lebte viel eher von einer vertrauten, gemeinschaftlichen und freundlichen Atmosphäre, was auch den sympathischen Auftritten der Bands zu verdanken war. Den Anfang machte „Mofa“, deren Bühnenoutfit den „Red Hot Chili Peppers“ zur Ehre gereicht hätte. Zwar gingen „Mofa“ nicht nur mit einer Socke auf den Genitalien auf die Bühne, doch die Unterhosen und T-Shirts waren schon sehr nah dran. Stilistisch kamen die Spaßpunker dem Headliner „Montreal“ schon sehr nahe.

Abgelöst wurden „Mofa“ dann von den „Scumpies“, einer Band die dann etwas härtere Töne anschlug und das Publikum somit zum Tanzen brachte. Die Songs wurden von der Menge lautstark mitgegrölt. Hier konnte man sehr gut sehen, dass die Punkgemeinde wie ein Dorf ist. Selbst die Songs der Vorbands waren der Hälfte der Besucher ein Begriff und wurden frenetisch gefeiert. Ohne große Umbaupause ging es direkt weiter mit „Montreal“, die ihren frischen Album-release in Bremen feierten. Dabei beschränkten sich die sympathischen Hamburger aber nicht nur auf Stücke aus ihrem aktuellen Album „Montreal“, sondern gaben auch Hits aus ihren älteren Werken zum Besten. Wie frisch das Album auf dem Markt ist, zeigte sich dann, als Sänger/Gitarrist Jonas direkt den Text einer neuen Single vergaß. Zum Glück konnte ihn Bassist/Sänger Hirsch wieder an die vergessene Textzeile erinnern. Zu allem Überfluss riss Jonas auch noch eine Saite. Aber selbst von all diesen Widrigkeiten ließen sich die drei Hamburger nicht ablenken und spielten ihr Programm souverän zu Ende.

Unterstützt wurden sie dabei immer vom mitsingenden und teils auf die Bühne stürmenden Publikum. Auf die Frage „Wer war schon mal bei einem unserer Konzerte?“ hatte gefühlt jeder außer mir seinen Arm oben. Auch hier konnte man gut erkennen: Die Punkgemeinde ist ein Dorf. Und so darf man sich sicher sein, dass man viele bekannte Gesichter auf dem nächsten Montrealkonzert treffen wird.

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