Nicht so Kirchliches auf dem Kirchentag

Mai 23rd, 2009  |  Veröffentlicht in bremisch  |  6 Kommentare

GG Kirchentag

Der Kirchentag war einmal politisch. Es ging um große Themen wie die Friedensbewegung, es gab Massendemonstrationen gegen den Vietnam-Krieg. Kirchentage waren bunt und aktivistisch. Heute spielen solche Themen eher eine untergeordnete Rolle, da tritt auch mal die Big-Band der Bundeswehr auf der Eröffnungsveranstaltung auf. Also so richtig weiß keiner wohin der Kirchentag geht und was das soll – außer vielleicht die Politiker, die haben so eine Veranstaltung in einem Superwahljahr besonders gerne.
Grund genug für sludern nach einer Perle im Programm, nach einer sinnvollen Veranstaltung zu suchen. Und siehe da, der Chaos Computer Club (CCC) und der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung wollen sich musikalisch am Grundgesetz versuchen. 14 Uhr am Hillmannplatz. Wir waren da.

Jetzt darf man ruhig fragen, was solch eine Veranstaltung auf dem Kirchentag zu suchen hat. Religiös motiviert? Fehlanzeige. Christliche Werte? Eher nicht. Die Motivation teilen sich die Veranstalter eher mit den oben erwähnten Politikern. Etwa 100.000 Bürgerinnen und Bürger, die mit Rucksack und einer Eistüte durch Bremen spazieren. Das ist der Grund.

Fotos: Stefan Lakeband

14.30 Uhr, ein kleiner Haufen hat sich am Hillmannplatz versammelt, ein Stand ist nicht zu sehen. Das Auto ist wohl liegen geblieben, oder auch im Verkehr verloren. Wer weiß. Man nimmt es lässig, singt sich schon einmal kurz ein. Offensichtlich die erste Probe, aber das spielt keine Rolle. Wichtig ist, dass die Politiker mit ihren eigenen Vorgaben konfrontiert werden.
Es geht um Kapitel 5, 8, 10 GG. Es geht um Sätze wie „Eine Zensur findet nicht statt“, „Die Wohnung ist unverletztlich“ und „Für Versammlungen unter freiem Himmel kann dieses Recht auf Grund eines Gesetzes beschränkt werden“. Räusper. Nein Absatz 2 wollte man eigentlich nicht vorlesen.
War auch nicht nötig, die Polizei kennt diesen Artikel selbst und verschanzte sich in der Nebenstraße. Aber alles im grünen Bereich, auch wenn das Thema heikel ist.

Es geht nämlich um nicht weniger als den Umgang mit Kinderpornographie im Internet. Ursula von der Leyen und zu Guttenberg setzen auf Zensur. Der CCC und der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung setzen auf das Grundgesetz. Von der Leyen möchte Symptome bekämpfen, die Internetaktivisten die Ursachen. Kinderpornographie löschen, statt sie zu filtern, das ist das Kredo der Aktivisten. Um kurz nach Drei ging es dann auch los. Man sang laut, einige Passanten blieben verunsichert stehen. Ein erstes Interesse war zu erkennen. Aber das war ja auch erst der Anfang eines harten Demotages.

Dass sich unter die Internetaktivisten auch ein „Anonymous“ mischt, passt irgendwie. Deren Anliegen hat wenigstens ganz entfernt etwas mit einer Art “Kirche” zu tun.
Und vergessen wollen wir zuletzt auch nicht Artikel 4, Absatz 2 GG: „Die ungestörte Religionsausübung wird gewährleistet“. Na denn, happy birthday Grundgesetz, möge man dir zuhören.

Unter dem Schlagwort Zensursula (in Anspielung auf Familienministerin Ursula von der Leyen) formte sich eine breite Bewegung, die sich gegen die Sperrung von Internetseiten einsetzt. Von der Leyen beabsichtigt Internetseiten mit kinderpornographischen Webseiten von den Internetprovidern sperren zu lassen.

Dagegen sind unter anderem der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung und der Chaos Computer Club. Sie befürworten deutlich den Kampf gegen Kinderpornographie, halten aber den eingeschlagenen Weg für falsch und gefährlich.

Argumente für und gegen die Internetzensur

Anonymous ist eine kulturelle Bewegung, die sich nach der Veröffentlichung des Scientology-Videos von Tom Cruise auf YouTube bildete. Darauf fand ein Kampf seitens Scientologys gegen die Veröffentlichung statt, dem sich die weltweite Bewegung Anonymous entgegenstellt.

Das einzige einheitliche Erkennungsmerkmal der Bewegung sind die Masken aus dem Comic „V for Vendetta“, um die Identität zu verschleiern.

Projektseite der Anonymous

Projektseite der Anonymous in Bremen

Blogsphere: TechnoratiFeedsterBloglines
Bookmark: Del.icio.usSpurlFurlSimpyBlinkDigg

Kommentare

  1. Mike sagt:

    Mai 24th, 2009 um 00:02 (#)

    Hi, nice posts there :-) thank’s for the interesting information

  2. Anonymous Bremen sagt:

    Mai 24th, 2009 um 19:54 (#)

    Besten Dank für diesen hervorragenden Artikel.
    Anonymous approves.
    Thank you for playing the game.

  3. Anonymous sagt:

    Mai 25th, 2009 um 08:42 (#)

    Anonymous war hier sehr richtig, aber weniger wegen Scientology, sondern wegen Internetzensur. ;-) Dies ist auch der Grund weshalb Anonymous überhaupt erst gegen Scientology demonstriert, denn diese versuchten das Internet auf ihre Art zu zensieren.

    Meiner Meinung nach ist die Bedrohung durch Zensursula größer als die durch Scientology – für mich persönlich zumindest.

  4. Dominik sagt:

    Mai 25th, 2009 um 13:36 (#)

    @3. Stimme dir zu, allerdings nur für einen persönlich. Für Aussteiger sieht die Bedrohung durch Scientology ganz anders aus.

    Was mich noch interessieren würde, weil ich es nicht mehr mitbekommen habe. Warum durfte der Anonymous später keine Flyer mehr am Stand verteilen? Thematisch scheint es ja doch gepasst zu haben…

  5. Anonymous Bremen sagt:

    Mai 25th, 2009 um 23:55 (#)

    ENGLISH TRANSLATI0N FTW
    http://bit.ly/FBytT

    @ 4. Dominik

    Es gibt Cowboys mit weißen Hüten und Cowbobys mit schwarzen
    Hüten. Ich habe einen grünen Hut. Mehr kann ich dazu nicht
    sagen.

  6. Dominik sagt:

    Mai 26th, 2009 um 19:51 (#)

    Die Erklärung hab ich jetzt nicht 100%ig verstanden, aber schöne Übersetzung :)

Schreibe eine Antwort.

Achtung: Bitte die abgebildeten Zahlen eintippen. Das können nämlich nur echte Menschen.