Der Popstar unter den Staatsmännern
Mai 22nd, 2009 | Veröffentlicht in bremisch
Wer Antworten auf Fragen in der Zukunft sucht, kann einen Hellseher in Anspruch nehmen. Ein Orakel bemühen. Oder Helmut Schmidt fragen.
Der inzwischen 90-Jährige ist der Popstar unter den Altkanzlern. Sein Wort hat Gewicht, seine hanseatische Art kommt an – vor allem bei Jüngeren. Da ist der Kirchentag genau der richtige Ort für eine Diskussionrunde. Schmidt diskutiert natürlich nicht mit irgendwem, weshalb die Organisatoren des Kirchentages Bob Zoellick eingeladen haben, den Präsidenten der Weltbank. Zumal, wenn es um ein Thema von weltweitem Interesse geht – wie die „Verantwortung in der globalen Krise“.
Und klar: Für zwei Schwergewichte dieses Kalibers darf es gerne eine (ausverkaufte) Arena sein.
10.000 Zuhörer empfingen die Diskutanten im AWD-Dome mit stehenden Ovationen.
Inhaltlich ging es um nichts weniger, als Wege aus der Krise aufzuzeigen. Zoellick forderte die „Generation I(nternational)“ auf, sich gerade in diesen Zeiten gesellschaftlich stärker zu engagieren und damit ihren Beitrag zu leisten, diese Krise zu überstehen. Für Helmut Schmidt ist der Abwärtstrend noch lange nicht vorbei. Um ihn zu beenden, bedarf es seiner Meinung nach drei Schritten:
1.Die Banken müssen saniert und mit frischem Kapital versorgt werden.
2.Die Menschen müssen das Vertrauen in die Finanzmärkte zurückgewinnen. Das gelinge allerdings nur mit einem umfassenden und weitreichenden Kontrollsystem.
3.Die Nachfrage müsse stimuliert werden.
All diese Dinge sind bereits angelaufen, ob sie den gewünschten Effekten erzielen, bleibe abzuwarten.
Immerhin, so Schmidt, ziehen die Regierungen von Washington bis Peking erfreulicherweise an einem Strang. Auch eine Folge der Globalisierung, der Schmidt durchaus Positives abgewinnen kann.
Was fehle, seien Verkehrsregeln.
Was für die Luft- oder Schifffahrt gelte, müsse sich auch in der Wirtschaft anwenden lassen.
Dass es in diesem Bereich noch keine internationalen und umfassenden Regeln gebe, sei ein entscheidendes Versäumnis der Staatengemeinschaft in der Vergangenheit.
In Zukunft müssten alle Staaten internationaler werden, was ihr Denken angehe.
„Die internationale Kooperation ist das Schlüsselwort für das 21. Jahrhundert“, ergänzte Weltbank-Präsident Zoellick.
Auf dem Papier ist das alles in die Wege geleitet. Es muss nur noch umgesetzt werden.
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