Bühnenprogramm primitiv, Kinodebüt aber auch
März 19th, 2009 | Veröffentlicht in medial

Im Kino sind die Trailer oft auf den Hauptfilm abgestimmt. Sie dienen sozusagen der Einstimmung und der Vorbereitung auf das was kommen wird. Dementsprechend erkennt der aufmerksame Zuschauer bereits an den Vorschauen, welche Zielgruppen im Saal sitzen müssen und welchen Einschlag der Hauptfilm haben wird. Bevor Mario Barths “Männersache” gezeigt wird, darf sich im Aufgebot der Trailer von einer flachen Beziehungskomödie bis zur noch flacheren Beziehungskomödie gegähnt werden. Wer noch die Möglichkeit hat zu fliehen, sollte diese spätestens nach der Vorschau einer dieser Komödien mit einer älter gewordenen Sandra Bullock ergreifen, deren Gags nicht mal im Trailer zünden. Besser wird es in den folgenden 120 Minuten ohnehin nicht mehr.
Endlich dröhnt Mario Barth das erste Mal mit seinem Berlinerisch durch die Lautsprecher. Ihm assistiert ein junger Mann namens Dieter Tappert, den die meisten Leute wohl als Paul Panzer kennen dürften. Neben der gemeinsamen Arbeit vor der Kamera haben die beiden Comedians auch zusammen am Drehbuch gearbeitet, die Regie führte Barth mit Gernot Roll (Ballermann 6, Der Räuber Hotzenplotz) an seiner Seite. Fans des erfolgreichen Comedians gehen trotz dieser Fakten vermutlich noch optimistisch in den Film und dieser Optimismus ist auch zu Beginn und weit über die erste Hälfte des Films zu spüren. Es wird gelacht und gefeiert im Saal. Der erfolglose Komiker Paul Schawbonsky, den Mario Barth mimt, tritt hin und wieder in einer runtergekommenen Kneipe auf, heimst aber nur trockene Huster ein. Umso mehr lachen die Menschen vor der Leinwand über ihn. Dabei sind die Gags weder originell noch gut in Szene gesetzt. Zu Beginn möchte man sich an mancher Stelle fast fremd schämen.
Als Paul den Unterhaltungswert der Beziehungsstreitereien zwischen seinem besten Freund Hotte (Dieter Tappert) und dessen Partnerin Susi (Anja Kling) erkennt, baut er diese kurzerhand in sein Bühnenprogramm ein und ist plötzlich gefragt beim Publikum. Natürlich nimmt ihm Hotte, den er seit 20 Jahren kennt, das übel. Fast der gesamte Film handelt nun von dem Bruch der Freundschaft, aufgelockert durch abstruse Nebenfiguren wie den Mafiosi aus der Nachbarschaft, einen notgeilen Mitarbeiter einer Zoohandlung oder den polnischen Gastarbeiter auf dem Bau. Die autobiographischen Züge des Films beschränken sich wohl eher auf das Wesentliche: Barths unglaublichen Aufstieg zum Star-Comedian durch Beziehungswitze. Warum Barth so lustig ist? „Na weil das halt wirklich so ist in der Beziehung“, heißt es oft. Den besseren Gags des Films ist dann auch die Bühnenherkunft deutlich anzumerken. In der Folge wirkt Männersache an vielen Stellen wie eine Aneinanderreihung von Sketchen. Die meisten kommen beim Publikum an, ringen dem Nicht-Barth-Fan jedoch kaum ein Schmunzeln ab.
In den Nebenrollen ist Mario Barths Kinodebüt gut besetzt. Von Michael Gwisdek über Jürgen Vogel und Anja Kling bis Michael Brandner, die ihren Job in Anbetracht des mageren Drehbuches gut machen. Auf Barth selbst trifft das weniger zu. Jemand der auf der Bühne Tausende Menschen mit Beziehungswitzen unterhält, ist deswegen noch lange kein guter Schauspieler. Auch nicht oder besser gesagt erst recht nicht, wenn er sich verkleidet. Wer Eddie Murphy in seinen unzähligen Verwandlungsrollen schon unlustig fand, dem könnte bei Mario Barth blankes Entsetzen ergreifen. Grausames Beispiel dafür ist die Figur Marek, die einen polnischen Gastarbeiter darstellen soll, aber eher klingt als handele es sich um einen Griechen mit indischen Wurzeln. Das Publikum im Saal liebt Marek. Dieter Tappert gefällt da schon etwas besser und ist unter anderem in einer Parodie auf den Paten fast amüsant.
Lichtblicke sind in “Männersache” aber rar gesät. Die belanglose Geschichte ist nur der Schauplatz für die flachen Gags. Dass der Film finanziell vermutlich dennoch ein Erfolg wird, ist sicherlich dem Hype um den „Deutsch-Frau, Frau-Deutsch“-Erfinder zu zuschreiben. Es ist also kaum verwunderlich, dass demnächst auch noch ein dazugehöriges Hörspiel erscheint. Dann dürfen sich die echten Mario Barth-Fans die belanglose Beziehungskomödie jederzeit auch zu Hause anhören und die Wartezeit bis zur DVD verkürzen. Bis zum nächsten Sandra Bullock-Film dauert es dann auch nicht mehr lange.
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