Motörhead: Live eine Macht

Dezember 7th, 2008  |  Veröffentlicht in rockt wie Roland

Motörhead

Pures Glück für den Fan härterer Töne: Motörhead geben sich in Bremen die Ehre. Doch nicht allein – die Kollegen der Metalveteranen Saxon sind dabei und damit die Jugend nicht zu kurz kommt, Danko Jones, Hardrocker und bekennender Glatzenträger aus Kanada. Explosive Mischung, die auch gut an ankam.

Motörhead sind noch da. Soviel schon mal dazu. Bevor die drei Herren älteren Semesters jedoch die Halle rockten, waren erstmal die Kollegen von Saxon und Danko Jones dran.

Jones, gewohnt in schwarz gekleidet, gewohnt kahlrasiert und gewohnt zappelig, hat von Anfang an einen schweren Stand beim Publikum. Pünktlich um 19 Uhr entert der Kanadier die Bühne und stimmt die ersten Töne der neuen Single „Code of the Road” an. Dabei fehlt natürlich nicht: sein irrer Blick und großmäulige Sprüche. Das kommt allerdings nicht so gut an. Das Publikum, größtenteils jenseits der 35 und in Motörhead und Saxon T-Shirts gekleidet, ignoriert Jones völlig. Klar, da gibt’s auch die begeisterten 17-jährigen vor der Bühne, die die Finger in die Luft recken, die Texte grölen und seine Sprüche verstehen – aber die sind deutlich in der Minderzahl. Jones spielt sich tapfer durchs Set, seine zwei Bandkollegen an Bass und Drums geben alles. Manchmal kann er sich einen bissigen Kommentar über das Desinteresse des Publikums nicht verkneifen: „This is Rock’n'Roll and we wrote this stuff by ourselves, it’s OK to like this…!” Nach knapp 25 Minuten verlässt das Trio die Bühne. Danko Jones scheint ganz froh darüber zu sein.

Danach scheint der Großteil des Publikums eine Metamorphose zu durchleben. Die eben noch ignoranten und leicht gelangweilten T-Shirt-Träger stehen jetzt vor der Bühne statt vorm Bierstand und sind augenscheinlich begeistert. Der Grund: Fünf Briten jenseits der 60. Saxon sind Metalhelden, seit 1976 rocken sie sich durch die Welt, und das kommt an. Altes Material aus den 70ern und 80ern wird zuhauf gespielt, Songs, die das inzwischen richtig vitale Publikum textsicher mitsingt. Saxon bekommen gleich mehr als die doppelte Spielzeit von Danko Jones und nutzen dies auch aus. Zweck erfüllt, Publikum ist „angeheizt”, die Legenden können kommen.

Das Pier 2 scheint mittlerweile übervoll zu sein, rund 2500 Menschen drängeln sich vor der Bühne und auf dem Rang.

Dann kommen SIE und die Menge zeigt endgültig, dass sie alles andere als langweilig ist. Motörhead betreten die Bühne, hinter ihnen ein imposantes Backdrop mit dem Cover des neuen Albums „Motörizer“.

Lemmy Kilmister, Bassist, Rocklegende, bekennender Whiskeykonsument und mittlerweile auch schon 62 Lenze alt, positioniert sich breitbeinig vor der Verstärkerwand und haut in die Saiten seines Basses, dass es kracht. Mit dem Klassiker „Iron fist” aus den 70ern geht’s los, weitere folgen. Motörhead wissen, wie man eine Menge zum Kochen bringt. „We are Motörhead – and we play Rock’n'Roll!!” Die legendäre Ansage wird aus tausend Kehlen mitgegröhlt.

Danach geht’s Schlag auf Schlag. Songs des neuen Albums, gemischt mit Klassikern aus 30 Jahren (!) Bandgeschichte – die Herren wissen wo’s langgeht. Gitarrist Phil Campbell und Schlagzeuger Mikkey Dee machen einen verdammt guten Job: Keine Verspieler, keine Kompromisse, immer voll auf die Zwölf. Als Mikkey Dee dann auch noch ein Drumsolo hinlegt, ist die Menge vollkommen hin und weg. Nach „Civil war” aus den 80ern verlässt das Trio erstmal die Bühne, kehrt dann schnell zurück, um den „Whorehouse Blues” allein mit Akustikgitarren darzubieten. Eine Überraschung, die aber ankommt: Lemmy spielt sogar ein bluesgetränktes Mundharmonikasolo zur Freude der durchgeschwitzten Masse. Nach „Ace of Spades” und Lemmys Versprechen: „We’ll see you soon”, verlassen die drei das Pier 2 in Richtung Tourbus. Motörhead sind halt auch noch nach 30 Jahren live eine absolute Macht.

Blogsphere: TechnoratiFeedsterBloglines
Bookmark: Del.icio.usSpurlFurlSimpyBlinkDigg

Schreibe eine Antwort.

Achtung: Bitte die abgebildeten Zahlen eintippen. Das können nämlich nur echte Menschen.