Auf Wohnungssuche: Ökonazis backen Dir Kuchen
November 9th, 2008 | Veröffentlicht in bremisch

Neu in Bremen und auf Wohnungssuche? Es soll das trendige Viertel sein? Unsere Autorin Maja berichtet aus eigener Erfahrung von Öko-Nazis und dem Mieterschutzbund.
„Wohnung im Viertel gesucht.” „Suche coole WG in Viertel und umzu.” „Dringend: Zimmer im ¼!!!!”
Sucht man im Bremer (Ostertor-/Steintor-)Viertel eine Bleibe, kann man sich zumindest in einem sicher sein: dass man dabei nicht alleine ist. Ansonsten kann alles passieren. 12 Quadratmeter WG-Zimmer werden für bis zu 400 Euro angeboten – „Hippe Haus-WG mitten im Viertel!”. Haus-WGs sind in Bremen nicht selten, besonders in den kleinen Straßen rund um Ostertorsteinweg, Sielwall und Dobben. Die meist zweistöckigen (und meist sehr schönen) altbremer Häuser aus dem 19. Jahrhundert werden komplett von einer Wohngemeinschaft bewohnt. Hohe Stuckdecken, Holzboden und meist ein kleiner Garten hinter dem Haus locken einen großen Teil der Neubremer in diese Gegend – das wissen allerdings auch die Eigentümer.
Vermieter, denen man Interesse an einem Objekt gezeigt hat, treiben die Miete manchmal bis auf das Doppelte in die Höhe: „das Viertel ist schließlich begehrt und andere Interessenten würden diesen Betrag natürlich gerne zahlen…”. Feuchte Wände, undichte Fenster und wesentliche geringere Quadratmeterzahlen, als im Mietvertrag (falls vorhanden) angegeben sind keine Ausnahme. Am besten ist es, im Falle eines Einzuges dem Mieterschutzbund beizutreten. Als ich einen Mietvertrag im Viertel gerade unterschreiben wollte, fiel mir auf, dass die Miete um 100 Euro mehr war, als vorher ausgemacht.
Als ich vorsichtig den Mieterschutzbund erwähnte, nahm mir der Vermieter der Vertrag ab und schmiss mich aus seiner Wohnung. Also bin ich erstmal zu Freunden gezogen. Eben dieser Vermieter verschaffte sich mit seinem Schlüssel später Zugang zu der entsprechenden Wohnung und machte den neuen Mieter recht unsanft darauf aufmerksam, dass er seine Wohnung nicht vor neuerlicher Preisabsprache in den Wohnungsanzeigen inserieren dürfe. Er hat den Mann gewürgt und verprügelt. Also doch nicht so wild, dass nicht ich die Wohnung bekommen habe…
Am einfachsten ist es im Viertel, sich ein Zimmer in einer WG zu suchen. Meist ist bereits alles unter Dach und Fach, die Konditionen haben schon längst die anderen geklärt. Der Vermieter ist vermutlich relativ locker, wenn er einen Haufen Leute in seine Wohnung einziehen ließ. Dass das Zusammenwohnen mit fremden Menschen gelegentlich Probleme mit sich bringt ist keine Neuigkeit.
Die meisten WGs im Viertel sind offen und nett. Auf eine spezielle Personengruppe, die hier besonders stark vertreten ist, sei trotzdem hingewiesen: „Ökonazis”. Mit diesem, im Viertel recht gängigen Begriff gemeint sind keineswegs wirkliche Nazis. Meist gemeint sind Leute, die nach außen sehr locker/alternativ erscheinen, oft in der 68-Bewegung aktiv waren, oder dies zumindest behaupten, und darauf extrem stolz sind. Innerlich brodelt es aber in ihnen, wenn laut Musik gehört wird („Wenn ich mal so richtig abtanzen will, nehme ich halt Kopfhörer.”), wenn man nach 22 Uhr laut lacht und sich unterhält („Wenn ich noch mal nach zehn nicht pennen kann, ist Schluss mit lustig.”) oder, das schlimmste: wenn im Garten gegrillt wird. („Das ist ja unzumutbar, der Gestank!”) Allen Predigten voran steht ein weinerliches: „Ich will ja nicht spießig sein, aber…”. Zum Trost: Ökonazis backen häufig gerne Kuchen und teilen brüderlich. Besonders, wenn man brav den Müll rausgebracht hat.
Viel Erfolg bei der Wohnungssuche.
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